Afrikanische Schweinepest: Ausbruch in Niedersachsen bestätigt

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Stand: 03.07.2022 18:40 Uhr

Nach dem Ausbruch der Afrikanische Schweinepest (ASP) in einem Betrieb in Emsbüren (Emsland) gibt es bislang keine Anzeichen auf einen Ausbruch auch in anderen Betrieben.

Das hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mitgeteilt. Labor-Ergebnisse von Stichproben aus einem Kontaktbetrieb werden am Montag erwartet. “Es war leider nur eine Frage der Zeit”, sagte Ministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Sonnabend während einer eigens einberufenen Pressekonferenz in Hannover. Dies sei “ein harter emotionaler Schlag für die Schweinehalter bei uns im Land”. In dem Betrieb in Emsbüren wurden 280 Sauen und rund 1.500 Ferkel gehalten. Alle sollten am Sonntag getötet werden. Es werde alles unternommen, um den Ausbruch einzudämmen, sagte Otte-Kinast.


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Schweinepest im Emsland: Sperrzone um 300 Betriebe eingerichtet

Weil die Region zu den Gebieten mit dem bundesweit dichtesten Viehbestand gehört, hat das Ministerium eigenen Angaben zufolge rund um den Betrieb eine Sperrzone von zehn Kilometern eingerichtet. Diese umfasst neben Teilen des Landkreises Emsland auch Bereiche der Grafschaft Bentheim. Innerhalb der Zone ist der Transport von Schweinen zunächst verboten, zudem werden alle Bestände vorerst regelmäßig auf weitere Fälle kontrolliert. Von den Beschränkungen sind laut Ministerium rund 300 Schweinehalter mit 200.000 Tieren betroffen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass vorsorglich weitere Tiere getötet werden müssen.

Landkreise bereiten Verfügungen vor

Die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim wollen entsprechende Verfügungen veröffentlichen, die am Dienstag in Kraft treten sollen. Darin geht es unter anderem um eine Aufstallungspflicht für schweinehaltende Betriebe, ein Beförderungsverbot für Schweine sowie strenge Hygienemaßnahmen.

Halter hatte bei Zuchtsauen Symptome bemerkt

Wie ASP in den Tierbestand eingeschleppt werden konnte, ist Otte-Kinast zufolge noch unklar. Der erfahrene Halter habe bei Zuchtsauen Symptome festgestellt und deshalb den Hoftierarzt zu Rate gezogen. Dieser habe wegen des Verdachts auf die Afrikanische Schweinepest Proben an das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) gesandt, das den Verdacht bestätigte. Am Sonnabendmorgen hat dann das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) den Befund verifiziert.

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Große Verunsicherung bei Schweinehaltern in der Region

Die Schweinehalter in der Region hat der Ausbruch erschüttert. Viele seien geschockt und ratlos, was nun auf sie zukommt, sagte Georg Meiners vom Emsländischen Landvolk dem NDR in Niedersachsen. Insgesamt herrsche große Unsicherheit. Viele hofften nun, dass es sich um einen Einzelfall handelt – und durch Keulung aller dortigen Schweine das Virus gestoppt werden kann. In diesem Falle müsse man nur eine gewisse Zeit warten – und dann sei die Welt wieder in Ordnung, so Meiners. Wenn das Virus sich aber bereits verbreitet habe, sei es schwer, die Lage einzudämmen. “Man hat eigentlich nur die Möglichkeit, den betroffenen Betrieb zu keulen – und dann zu hoffen: ‘Wir haben es gestoppt'”, sagte Meiners.

Branche hofft auf Impfung, Verbände auf Aus für Intensivhaltung

Der Agrarwirtschaftsverein AEF hofft, dass der Ausbruch im Emsland ein Einzelfall bleibt und appelliert an die Politik, einen Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest bereitzustellen. Die Umweltorganisation Greenpeace und der Tierschutzbund hingegen fordern ein Umdenken in der Tierhaltung. Das zugrunde liegende Sorun liegt ihrer Ansicht nach in der hohen Tierdichte in der Region. Infektionen seien dort nicht beherrschbar.

ASP erstmals 2020 in Deutschland nachgewiesen

Der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland war am 10. September 2020 bestätigt worden – bei einem Wildschwein in Brandenburg. Seitdem stellte man Ausbrüche in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen fest. Mitte Juli vergangenen Jahres hatte die Schweinepest hierzulande erstmals auch auf Hausschweine in Nutzbeständen übergegriffen – wieder in Brandenburg.

Keine Impfung oder Heilung für Schweine

ASP ist eine ansteckende Viruserkrankung bei Haus- und Wildschweinen, die fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Es gibt bisher keine Möglichkeit, die Schweine durch eine vorbeugende Impfung zu schützen. Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände wie Kleidung und Schuhe sowie Futter in andere Gebiete durch den Menschen übertragen werden. Für Menschen und andere Tierarten ist die Afrikanische Schweinepest harmlos.

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03.07.2022 | 19:30 Uhr

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