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Das Ukraine-Update: Acht Menschen beim Wasserholen getötet: Was heute passiert ist

 

  • Die führenden demokratischen Wirtschaftsmächte wollen die Sanktionen gegen Russland verschärfen, die Nato-Staaten ihre schnellen Einsatzkräfte um ein Vielfaches erhöhen.
  • Während die Politiker tagen, kommt es in der Ukraine wieder zu dramatischen Szenen.
  • Was heute passiert ist.

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Das Ukraine Update: Was heute passiert ist

  • Bestürzung nach Angriff auf Einkaufszentrum

Aus Moskau gab es zunächst keine Reaktion auf den Vorwurf, russische Truppen seien verantwortlich für den Raketeneinschlag in Krementschuk. Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte handelte es sich um Luft-Boden-Raketen des Typs X-22, die von Tu-22-Langstreckenbombern aus dem russischen Gebiet Kursk abgefeuert worden seien. In unmittelbarer Nähe des Einkaufszentrums befinden sich mehrere Industrieanlagen, darunter eine Fabrik für Straßenbaumaschinen. Dem ukrainischen Sicherheitsrat zufolge schlug eine zweite Rakete in ein örtliches Sportstadion ein. Nach Behördenangaben gab es mindestens dreizehn Tote und Dutzende Schwerverletzte.

“Die Besatzer haben mit Raketen auf ein Einkaufszentrum geschossen, in dem mehr als tausend Zivilisten waren”, schrieb Selenskyj im Nachrichtendienst Telegram. Er verbreitete ein Video, das die brennende Ruine und dicke dunkle Rauchwolken zeigt. Nach Angaben des Zivilschutzes waren 115 Feuerwehrleute mit 20 Löschwagen im Einsatz. Zum Abend konnte der Brand örtlichen Behörden zufolge gelöscht werden.

  • Gouverneur: Acht Zivilisten beim Wasserholen von russischem Angriff in Lyssytschansk getötet

Einen russischen Angriff gab es am Abend zudem auch auf die ostukrainische Stadt Lyssytschansk. Dabei sind nach ukrainischen Angaben mindestens acht Zivilisten getötet und 21 weitere verletzt worden. „Die Russen haben mit Mehrfachraketenwerfern vom Typ Uragan auf eine Menschenmenge geschossen, als die Zivilisten gerade Wasser aus einer Zisterne holten“, erklärte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, am Montag auf Telegram.

  • Kämpfe in Ukraine gehen erbittert weiter

Die Gefechte in der Ukraine gehen auch andernorts weiter. So schlug das ukrainische Militär westlich von Lyssytschansk nach eigenen Angaben russische Angriffe zurück und verhinderte damit eine Einkesselung der strategisch wichtigen Großstadt im Osten des Landes. Die feindlichen Truppen hätten „erhebliche Verluste“ erlitten, teilte der ukrainische Generalstab mit. Das russische Militär wiederum teilte mit, bei Angriffen auf die Region Mykolajiw im Südosten der Ukraine seien mehr als 40 ukrainische Soldaten getötet worden. Wie so viele Angaben zum Kriegsgeschehen waren auch diese nicht zu überprüfen.

  • G7 und Nato erhöhen Druck auf Moskau

Beim Gipfel der führenden demokratischen Wirtschaftsmächte in Elmau machten die Bilder von der harten Kriegsrealität schnell die Runde. „Dieser entsetzliche Angriff zeigt erneut, zu welchem Ausmaß an Grausamkeit und Barbarei der russische Staatschef (Wladimir Putin) fähig ist“, sagte der britische Premierminister Boris Johnson am Rande des Treffens, zu dem Bundeskanzler Olaf Scholz eingeladen hatte. Die US-Regierung versprach, Russland dafür „zur Rechenschaft zu ziehen“.

 

Zugleich sagten die G7-Staaten weitere Unterstützung für die Ukraine zu. Deren per Video zugeschalteter Präsident Selenskyj begrüßte den geplanten Erlass weiterer Sanktionen gegen Moskau, wobei Kiew besonders auf eine Preisdeckelung für russische Erdölexporte setzt.

Im Mittelpunkt der neuen Sanktionen sollen laut Erklärung der G7 – zu denen neben Deutschland die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan gehören – die Rüstungsindustrie und der Technologiesektor stehen. Auch Russlands Goldexporten als Einnahmequelle für die Kriegsmaschinerie wollen die Staats- und Regierungschefs einen Riegel vorschieben. Der Kreml kündigte an, in diesem Fall neue Absatzmärkte zu erschließen.

  • Nato will schnelle Eingreiftruppe massiv aufstocken

Flankiert wurde die Stellungnahme der G7 von einem deutlichen Signal der Nato an Russland. Einen Tag vor dem Beginn des Nato-Gipfels am Dienstag in Madrid kündigte Generalsekretär Jens Stoltenberg an, die Allianz werde die Zahl ihrer schnellen Eingreifkräfte um ein Vielfaches erhöhen – von rund 40.000 auf mehr als 300.000. Dazu solle die Nato-Eingreiftruppe NRF umgebaut werden, die wegen der Spannungen mit Russland seit Monaten in Alarmbereitschaft ist.

 

Das Ukraine-Update: Was in der Nacht passiert ist

Die militärische Lage:

  • Ukrainische Schwarzmeerregion Odessa meldet Raketenangriffe

Auch in der Nacht zum Montag gab es wieder einen schweren Raketenangriff. Im Gebiet Odessa im Süden der Ukraine sind sechs Menschen dabei zu Schaden gekommen. Die Rakete sei von einem russischen strategischen Bomber des Typs Tu-22 abgefeuert worden, teilte das ukrainische Wehrkommando Süd am Montag mit.

  • Nach Einnahme von Sjewjerodonezk: Kämpfe um Stadt Lyssytschansk

Nach der Einnahme der Stadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine durch russische Truppen gehen die Kämpfe um die Stadt Lyssytschansk weiter. Der Feind versuche verstärkt mit Unterstützung der Artillerie, die strategisch wichtige Stadt aus südlicher Richtung zu blockieren, teilte der ukrainische Generalstab am Sonntagabend mit. Dabei seien auch zivile und militärische Infrastruktur getroffen worden. Das ließ sich nicht unabhängig überprüfen. Laut ukrainischen Angaben gab es zudem Kämpfe auf der von Russland eroberten Schlangeninsel im Schwarzen Meer. Details lagen zunächst nicht vor.

  • Erneut Bohrinsel im Schwarzen Meer angegriffen

Im Schwarzen Meer ist erneut eine Gasförderplattform angegriffen worden. Das teilten Vertreter der von Russland einverleibten Halbinsel Krim am Sonntagabend mit, wie die russische Staatsagentur Tass meldete. Sie machten die Ukraine für den Angriff verantwortlich. Das ließ sich nicht überprüfen. Es habe keine Verletzten gegeben, hieß es. Unklar war, ob ein Feuer ausbrach. Erst am Montag waren drei Bohrinseln im Schwarzen Meer mit Raketen attackiert worden. Die ursprünglich ukrainischen Anlagen waren im März 2014 im Zuge der Annexion der Krim besetzt worden.

  • Nukleares Forschungszentrum in Charkiw unter Beschuss

Im Osten der Ukraine geriet am Sonntag erneut die nukleare Forschungseinrichtung „Neutronenquelle„ in Charkiw unter Beschuss. Dabei seien Gebäude und Infrastruktur wie Lüftungskanäle beschädigt worden, teilte die Nuklearaufsichtsbehörde mit. Der Teil der Anlage, wo der Kernbrennstoff gelagert wird, wurde nicht erwähnt. Es sei keine erhöhte Strahlung festgestellt worden. Die Ukraine machte Russland verantwortlich.

Politische Entwicklungen und Stimmen:

  • Vor Rede bei G7-Gipfel: Selenskyj fordert schnelle Waffenlieferungen

Vor seiner geplanten Videoschalte beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj abermals schnellere Waffenlieferungen an sein Land gefordert. „Wir brauchen eine schlagkräftige Luftverteidigung – çağdaş, voll wirksam„, sagte er in der Nacht zum Montag in seiner täglichen Videoansprache. Allein am Samstag seien 62 russische Raketen in seinem Land eingeschlagen. Derweil ist die Stadt Lyssytschansk in der Ostukraine weiterhin heftig umkämpft.

Jede Verzögerung von Waffenlieferungen an die Ukraine sei eine Einladung an Russland, weiter zuzuschlagen, meinte Selenskyj. Die G7-Länder, zu denen Deutschland, die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan zählen, verfügten gemeinsam über so viel Potenzial, „um die russische Aggression gegen die Ukraine und Europa zu stoppen„ sagte Selenskyj. „Es gibt bereits einige Vereinbarungen. Die Partner müssen sich schneller bewegen.„

  • Ukrainischer Verteidigungsminister fordert Raketenabwehrsysteme

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow forderte konkret moderne Raketenabwehrsysteme mit hoher Reichweite vom Westen. Diese müssten schnell stationiert werden, um so auch die Sicherheit für europäische Städte zu gewährleisten, schrieb er bei Feysbuk. Er bezeichnete Raketenangriffe auf “friedliche ukrainische Städte“ als heimtückisch, weil sie entweder vom russischen Territorium aus oder von Belarus oder vom Kaspischen und Schwarzen Meer aus abgefeuert würden. Resnikow schlug zudem eine Entmilitarisierung von Teilen Russlands vor als Voraussetzung für die Wiederaufnahme von Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen.

  • Moskau stellt erneut Bedingung für Verhandlungen mit Kiew

Russland hat abermals Verhandlungen mit der Ukraine an die Bedingung geknüpft, dass Kiew die Forderungen Moskaus akzeptiert. Das sagte die Vorsitzende des russischen Föderationsrats, Valentina Matwijenko, wie die Staatsagentur Tass meldete. Die in der Öffentlichkeit geäußerten Forderungen Moskaus zu Beginn des Kriegs bestanden etwa in der Anerkennung der ostukrainischen Separatistengebiete Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten sowie der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisches Staatsgebiet.

  • Selenskyjs Appell an Belarus: Lasst Euch nicht in Krieg hineinziehen

Selenskyj rief die Menschen im Nachbarland Belarus dazu auf, sich nicht in den russischen Angriffskrieg hineinziehen zu lassen. „Der Kreml hat bereits alles für Euch entschieden“, sagte er am Sonntag mit Blick auf Moskau. “Aber Ihr seid keine Sklaven und Kanonenfutter. Ihr dürft nicht sterben.“ Am Samstag hatte sich der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko abermals mit Russlands Präsident Wladimir Putin getroffen. Dabei kündigte der Kremlchef die Lieferung von Raketensystemen vom Typ Iskander-M nach Belarus an, die auch mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden können.

  • Von der Leyen: G20 nicht von Putin kaputtmachen lassen

Am Rande des G7-Gipfels sprach sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gegen einen Boykott des G20-Gipfels im Herbst aus – auch wenn Putin am nächsten Treffen teilnehmen sollte. „Wir müssen sehr genau überlegen, ob wir die gesamte G20 lahmlegen, da plädiere ich nicht dafür„, sagte von der Leyen aus Bayern dem ZDF-„heute journal“. “Meines Erachtens ist G20 zu wichtig, auch für die Entwicklungsländer, die Schwellenländer, als dass wir uns dieses Gremium kaputt machen lassen sollten auch wieder von Putin.“

  • Bundeswehr-General sieht größte Gefahr an der Nordostflanke der Nato

Der neue Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Bernd Schütt, sieht die größte Gefahr für eine militärische Eskalation mit Russland an der Nordostflanke der Nato. “Und deswegen ist der Punkt der glaubwürdigen Abschreckung in dieser Region für mich ein ganz zentraler Punkt. Hier spielt die Präsenz von Landstreitkräfte eine zentrale Rolle“, sagte der Generalleutnant der Deutschen Presse-Agentur. Verstärkte Übungen für die Landes- und Bündnisverteidigung werde es auch in seinem Kommando geben. Schütt: “Diese Art von intensiver Kriegsführung haben wir hier so noch nicht trainiert. Da bedarf es einer Anpassung bestehender Strukturen und Verfahren.“

Das wird am Montag wichtig

Der Gipfel der sieben führenden demokratischen Industriestaaten auf Schloss Elmau in den bayerischen Alpen wird fortgesetzt. Erwartet wird, dass Präsident Selenskyj per Videoschalte zu den Teilnehmern spricht. Im Mittelpunkt des dreitägigen Treffens, das am Sonntag begann, stehen der Krieg und seine Folgen.

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pzk/mit Agenturmaterial

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