Feiert der Van bald ein Comeback?

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Nachdem das Geschäft mit den feudalen Großraumlimousinen für Tokio, Seoul oder Shanghai bislang vor allem Toyota, Nissan und mit dem Staria neuerdings auch Hyundai die Kassen füllt, könnte der Audi-Van Mitte des Jahrzehnts marktreif sein.

Vans bieten Rückzugsorte

Dass sich plötzlich wieder mehr Menschen für dieses vermeintlich veraltete Konzept interessieren, ist für Prof. Lutz Fügener nur folgerichtig. Der Designprofessor an der Hochschule Hof nennt dafür einerseits gesellschaftliche Gründe wie die Sehnsucht nach einem privaten Rückzugsort in einem zeitlich wie geografisch immer weiter verdichteten Alltag.

Und er führt dafür auch technische Gründe ins Feld: Kurzfristig vor allem den Boom der Elektromobilität und mit ihr die Dominanz der sogenannten Skateboard-Plattformen. Diese ermöglichen mit ihrem ebenen Wagenboden und ihrem überdurchschnittlichen Radstand eine vergleichsweise freie Raumaufteilung. Und langfristig nennt er die Entwicklung zum automatisierten oder gar autonomen Fahren. Damit ändert sich die Raumordnung im Auto. Der Fahrer wird zum Passagier, und die Rückbank gewinnt zusehends an Bedeutung – oder eben das, was von der Rückbank noch übrig bleibt. Vans werden so zum zweiten Wohnzimmer

Neue Modelle mit viel Platz

Audi ist mit seiner Vision von der elektrischen “Raumfahrt” deshalb auch nicht alleine:

  • Schon zuvor hat der US-Hersteller Canoo mit einem elektrischen Van für Aufsehen gesorgt.
  • Und wohl keine andere Großraumlimousine macht derzeit so viel Wirbel wie der ID. Buzz der Audi-Mutter VW. Nur dass der im Gegensatz zum Urbansphere keine Studie mehr ist und auch den Entwicklungsstand des Canoo längst hinter sich gelassen hat. In diesen Tagen läuft in Hannover die Produktion an. Im Herbst soll der elektrische Bulli-Enkel zu Preisen ab zunächst knapp 65.000 Euro auf die Straße kommen.
Weiter im Programm: Im Frühjahr hat BMW den 2er Active Tourer in neuer Generation auf den Markt gebracht.
Weiter im Programm: Im Frühjahr hat BMW den 2er Active Tourer in neuer Generation auf den Markt gebracht. (Quelle: BMW)
  • Mit bewährter Plattform, aber neuem Antrieb geht auch bei Mercedes eine Großraumlimousine in eine neue Runde: Dort läuft sich bereits der elektrische EQT warm. Der soll laut Hersteller als handlicher Van mit zwei Längen, fünf oder sieben Sitzen und einer Reichweite von bis zu etwa 300 Kilometern zum Jahreswechsel in den Handel kommen.
  • Und wer noch nicht reif für die Elektrifizierung ist, bekommt den vom Renault Kangoo abgeleiteten Van in einer Variante als T-Klasse schon jetzt mit Verbrenner für mindestens 29.314 Euro.
  • Auch BMW hält dem Van die Treue und habt im Frühjahr die zweite Auflage des 2er Active Tourer vorgestellt. Etwas bulliger als vorher und trotzdem nüchterner als jedes X-Modell gibt es ihn zu Preisen ab 34.750 Euro, teilt BMW mit. Der größere 2er Gran Tourer bleibt beim Generationswechsel jedoch auf der Strecke. Bislang sorgte er immerhin gut für einen Absatzanteil von einem Drittel.

Renault verabschiedet sich vom Pionier Espace

Doch nicht überall haben Großraumlimousinen offenbar eine große Zukunft. Ausgerechnet Renault als europäischer Wegbereiter für diese Bauform mit dem Espace und dem Scénic für den Massenmarkt sieht den Weg der Vans eher vage: Der Espace läuft nach Angaben des Unternehmens in den nächsten Monaten ohne Nachfolger aus.

Und das, was die Franzosen jetzt als elektrische Vision Scénic für das Jahr 2024 präsentiert haben, hat mit dem Original nicht mehr viel mehr als den Namen gemein. Denn aus der Großraumlimousine wird auf dem Weg ins Akku-Zeitalter ein weiteres SUV.

Designexperte sieht Vorteile für den Van

Designexperte Fügener hält die fortdauernde Abkehr vom Van für falsch: Fahrzeuge dieser Kategorie böten bei gleichem Gewicht und gleicher Grundfläche eine deutlich höhere Funktionalität als ein vergleichbares Fullsize-SUV. Und auch Allradantrieb und damit Tauglichkeit für schlechte Wege sind laut Fügner technisch bei Vans ebenfalls kein Sorun.

“Da bleibt seitens der SUV nur noch das Image – aber das erodiert derzeit ohnehin. Und wenn man auf Studien wie den Porsche Vision Renndienst schaut, haben die Vans ihr Image-Potenzial noch längst nicht voll entwickelt”, so Fügener.

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