HSV-Zwischenbilanz: Baustellen auf und abseits des Platzes

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Stand: 03.07.2022 17:39 Uhr

Auf dem Rasen läuft es beim Fußball-Zweitligisten HSV schon ordentlich. Für das große Ziel Bundesliga-Aufstieg fehlen allerdings noch Alternativen in der Offensive und vor allem Lösungen für die Querelen in der Führungsebene.

von Lars Pegelow

Warum sollte es dem HSV anders gehen, als so vielen anderen unglücklichen Reisenden in diesen Wochen? Der Rückflug der Hamburger aus dem Trainingslager in der Steiermark, der von Wien aus erfolgen sollte, wurde gestrichen. Die improvisierte Rückreise aus Österreich war allerdings das einzige Haar in der Suppe der acht Tage Vorbereitung in den Bergen – mit strahlendem Sonnenschein, intensiven Trainingseinheiten und ordentlichen Testspiel-Ergebnissen. 2:2 gegen den kroatischen Spitzenverein Hajduk Split und 4:3 gegen das griechische Team Aris Thessaloniki. Damit lässt sich arbeiten, auch wenn noch Raum für Verbesserungen bleibt.

Weitere Offensiv-Verstärkungen nötig

Die wichtigsten Personalien des HSV wurden schon vor dem Trainingslager geklärt. Torjäger Robert Glatzel hat seinen Vertrag verlängert, Spielmacher Sonny Kittel bleibt, Abwehr-Hüne Mario Vuskovic wurde ebenfalls gehalten. Der HSV setzt auf Kontinuität und benötigt nur punktuelle Verbesserungen. Ob Ransford-Yeboah Königsdörffer, der aus Dresden kam, auch der Königs-Geçirme sein wird, ist noch offen. Zwei, drei offensive Alternativen benötigt dieses HSV-Team schon noch, um das erklärte Ziel Bundesliga-Aufstieg wirklich anzupeilen.

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Boldt bleibt bei Vagnoman-Poker hart

Die eine oder andere positive wirtschaftliche Nachricht hilft dem HSV. Nach elf Jahren schreibt die HSV Fußball AG in der abgelaufenen Saison wieder eine Schwarze Null. Das macht eine selbstbewusstere Transferpolitik möglich. Statt dem Werben des VfB Stuttgart um eine Verpflichtung von U21-Nationalspieler Josha Vagnoman nachzugeben, beharrt Sportvorstand Jonas Boldt auf seiner Ablöse-Forderung – angeblich sieben Millionen Euro. Im Trainingslager machte Boldt keine Anstalten, von seiner Linie abzuweichen.

Die HSV-Stärke ist der Team-Zusammenhalt

Die eigentliche Stärke des HSV ist aber eine andere: der Team-Zusammenhalt. Das wurde am Ende der vergangenen Saison deutlich, als der Aufstieg erst in der Relegation durch die Finger rann. Und nun? Muss Trainer Tim Walter einfach nur diesen Zusammenhalt konservieren? “Doch, es ist so einfach”, lächelte Walter solche Fragen im Trainingslager beiseite. Er weiß, dass sein Team im fünften Zweitligajahr von der personellen Qualität Einzelner nicht allein leben kann. Torwart Daniel Heuer-Fernandes, Abwehrchef Sebastian Schonlau oder Mittelfeld-Abräumer Jonas Meffert: Sie sind und bleiben allesamt, wenn auch sehr gute, Zweitliga-Spieler, die ihre Klasse in der Ersten Liga noch nicht nachhaltig zeigen konnten.

Einen echten Härtetest bietet nun noch die Saison-Generalprobe am kommenden Sonnabend, wenn der HSV beim Schweizer Vizemeister FC Basel antritt – eine Standortbestimmung eine Woche vor dem Zweitliga-Start auswärts bei Eintracht Braunschweig.

Querelen auf Chef-Ebene

So sehr der Team-Zusammenhalt im Trainingslager zu stimmen schien, so schwierig ist es mit dem Zusammenhalt auf Chef-Ebene. Das Verhältnis zwischen Interims-Vorstand Thomas Wüstefeld und Sportchef Jonas Boldt ist belastet. Beide warten auf Vertrags-Verlängerungen, aber der Aufsichtsrat um den Präsidenten Marcell Jansen hat sich noch nicht festgelegt. Ein klares Signal Richtung Zusammenhalt auf Führungs-Ebene fehlt. Dazu kommen negative Presse-Berichte über einige Unternehmungen von Vorstand Wüstefeld.


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Er selbst vermutet hinter Artikeln, nach denen er mit seiner Şirket in der Medizinbranche Millionen-Schulden hat, eine persönliche Kampagne. Ob das so ist, oder ob es wirklich Unregelmäßigkeiten gibt, die eine dauerhafte Besetzung des Vorstands-Postens beim HSV durch Wüstefeld verhindern, wird sich zeigen. Klar ist: Dieses Thema birgt Explosions-Gefahr, ebenso wie die noch immer nicht beantwortete Frage der Sanierung des Volksparkstadions für die Euro 2024.

Gemeinsame Lösungen müssen her, die den HSV in seiner Gesamtheit nach vorn bringen. Wahrscheinlich ist dabei nicht alles so einfach wie bei einem ausgefallenen Flug aus dem Trainingslager. Statt Linie über Wien flog der HSV einfach Charter über Graz zurück nach Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

Sportplatz |
03.07.2022 | 18:00 Uhr

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