Sind E-Fuels noch eine Alternative?

0

Argumente für E-Fuels

Da bei ihrer Verbrennung nur das CO2 freigesetzt wird, das bei der Produktion aus der Atmosphäre entnommen wird, sind sie weitgehend klimaneutral. Ein weiteres Argument für E-Fuels: Bestehende Transportwege und Tankstellen lassen sich weiter nutzen. Auch Autohersteller und Zulieferer könnten ihre in vielen Jahrzehnten aufgebaute Expertise in Sachen Verbrennungsmotor weiter nutzen und verfeinern.

Loading…

Symbolbild für eingebettete Inhalte

Embed

“Grausige Energiebilanz”

Jedoch: “Die Energiebilanz von E-Fuels ist grausig”, sagt Professor Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Duisburger Car-Center Automotive Research zu t-online. Das liegt daran, dass die synthetischen Treibstoffe das Ergebnis eines mehrfachen Umwandlungsprozesses sind: Zunächst wird dabei mithilfe von Elektrizität Wasserstoff erzeugt (der mithilfe einer Brennstoffzelle auch Autos antreiben könnte). Dieser Wasserstoff wird dann in einem weiteren Arbeitsgang in synthetisches Benzin oder synthetischen Diesel verwandelt – und diese Treibstoffe werden dann am Ende in einem Verbrennungsmotor in Vortrieb umgewandelt.

Strom steckt in der Produktion statt im Auto

Bei jedem dieser Schritte entstehen Verluste, sodass bei der Verwendung von E-Fuels nur noch 10 bis 15 Prozent der aufgewendeten Energie für die Fortbewegung genutzt werden können. Der Rest verschwindet im Prozess. Würde man den Strom direkt in einem E-Auto verfahren, statt ihn in die Produktion von E-Fuels zu stecken, so würde man etwa fünfmal so viele Kilometer schaffen. Für Dudenhöffer ist dieser Unterschied so gravierend, dass der Aufbau einer E-Auto-Infrastruktur auf Dauer ökologischer und wirtschaftlicher wäre als E-Fuels und Verbrennungsmotoren. Eine aktuelle Studie lässt ebenfalls den Schluss zu, dass E-Fuels kaum klimafreundlicher sind als Verbrenner.

Neue Produktionsanlagen für E-Fuels

Bei Porsche sieht man die Sache differenzierter. Gerade baut man in Chile gemeinsam mit Siemens sowie weiteren Partnern aus der Energie- und Mineralölindustrie eine Produktionsanlage für E-Fuels auf. Im Jahr 2026 soll sie 550 Millionen Liter synthetischen Treibstoff jährlich liefern.

Auch Karl Dums, Senior Manager E-Fuels bei Porsche, sagt zu t-online: “Erneuerbare Energie ist ein knappes Gut in Deutschland und muss deshalb so effizient wie möglich eingesetzt werden, zum Beispiel zum Laden von E-Fahrzeugen.” Porsches Argumente für E-Fuels sind andere: Bei geschätzten 1,4 Milliarden Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor weltweit werde es Jahrzehnte dauern, bis diese alle ersetzt seien. “Um schneller voranzukommen, brauchen wir Lösungen, die auch Regionen der Welt nahezu CO2-neutral frei mobil halten, in denen der Infrastrukturaufbau für die E-Mobilität mehr Zeit in Anspruch nimmt”, so Dums.

E-Fuels als teurere Alternative?

Was die Neuwagen angeht, will man aber auch bei Porsche bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent Elektrofahrzeugen erreicht haben. Also E-Antrieb für die, die effizient unterwegs sein wollen? Und eventuell E-Fuels als Alternative für die, die sich einen Porsche 911 ohne den Sound des benzinbetriebenen Boxermotors nicht vorstellen wollen – und in der Lage sind, die Kosten dafür zu tragen?

Leave A Reply